Taktiklexikon für Beginner

Da bei fast jedem Artikel immer wieder Nachfragen kamen, was denn zum Beispiel ein „Nadelspieler“ sei, oder was genau ich mit „Positionsspiel“ meine, habe ich mich dazu entschieden ein Lexikon zu schreiben. Solltet ihr Begriffe nicht verstehen und sie hier nicht finden, so fühlt euch weiterhin frei mir das mitzuteilen.

Grundlegende Begriffe und Hinweise:

Es ist mir wichtig dass ihr wisst, wie ich solche Spiele analysiere. Sehr viele Menschen schauen die Spiele unseres FC Bayern, verfolgen dabei aber nur den Ball und das Spiel somit beiläufig. An sich ist das gar kein Problem, denn jeder kann Fußball so schauen, wie er es für richtig hält. Zum Problem wird es erst, wenn man in der Nachbetrachtung diskutieren möchte. Um einen Spieler, oder eine Spielweise zu analysieren, muss man die Spiele aufmerksamer schauen. Es ist wichtig nicht nur dem Ball mit den Augen zu folgen, sondern auch darauf zu achten, was nebenher passiert. Viele Tore entstehen nicht nur durch den Vorlagengeber und den Spieler, der am Ende abschließt, sondern vor allem auch dadurch, weil die Mannschaft sich kollektiv gut bewegt. Auch im Defensivverhalten ist dies wichtig. Wie steht die Viererkette? Wie viele Spieler positionieren sich im Mittelfeld davor? Wie weit vor dem eigenen Tor positioniert sich die Mannschaft und wie sind die Abstände in der Breite (also horizontal) und in der Länge (vertikal).

Zusammenfassend: Schaut nicht nur auf den Ball, sondern versucht zu verstehen, warum ein Spieler ohne Ball gewisse Bewegungen macht, oder eine Mannschaft bewusst einige Zonen des Spielfeldes offen lässt, während andere enger abgedeckt werden.

Einteilung des Spielfelds: Um Analysen zu vereinfachen, teilt man das Spielfeld ein. Oft fallen dann Begriffe wie „letztes Drittel“, „erstes Drittel“, oder „linker Halbraum“. Es gibt also eine vertikale Einteilung in Drittel und eine horizontale Einteilung in Form von „Räumen“.

SpielfeldDrittel
Das Spielfeld wird zur Vereinfachung in Zonen eingeteilt, die man Drittel nennt.

Das erste Drittel ist das Abwehr-Drittel (in der Grafik rot markiert). Hier findet mit Ball vor allem der Spielaufbau statt. Es geht darum Lösungen zu finden, wie man in die nächsten Drittel kommt. Das zweite Drittel (gelb) ist das Mittelfeld-Drittel, in welchem sich die Mittelfeldspieler im Idealfall die Bälle abholen und dann Ansätze finden, um in das entscheidende letzte Drittel zu kommen. Das letzte Drittel (Grün) ist das Angriffs-Drittel. Hier gilt es die Chancen zu kreieren.

Räume

Die horizontale Einteilung erfolgt meist nach Räumen. Hier gibt es das Zentrum (grün markiert), die Halbräume (gelb) und den Flügel (rot). Oft fallen in diesem Zusammenhang auch Worte wie „Flügelfokus“, oder „zentraler Fokus“. Das bedeutet dann jeweils nur, dass eine Mannschaft gerne über die Flügel, oder über das Zentrum angreift. Wolfsburg zum Beispiel spielt sehr gerne über die Flügel, während Bayern am Ende der letzten Saison gezwungener Maßen mit einem zentralen Fokus spielen musste, da ihnen die Flügelspieler ausgefallen sind.

„Zu hoch, zu tief.“: Hoch und Tief sind zwei Begriffe die bei der Beschreibung der Positionierung eines Spielers hilfreich sind, aber auch bei der Analyse der Spielweise eines Teams. Hoch bedeutet hierbei offensiver, tief hingegen defensiver. Steht jemand zu hoch, öffnet er hinter sich eventuell freie Räume und steht er zu tief, kann er zum Beispiel das Abseits aufheben, oder zu viel Platz vor sich lassen.

Formationen: Formationen sind die geometrischen Anordnungen der Spieler auf dem Spielfeld. Oft spricht man hier von der „taktischen Anordnung“, wobei ich dem nicht ganz zustimmen würde. Es ist eine durchaus wichtige Anordnung, doch sollte man niemals zu viel Wert auf Formationen legen. Wichtig ist die Interpretation dieser. Ein 3-5-2 kann durch variable Positionsbesetzungen ganz schnell zu einem 5-3-2 werden, indem die Flügelspieler sich zurückfallen lassen. Es ist auch nicht gesagt, dass ein 4-3-3 automatisch offensiv interpretiert wird, nur weil drei Stürmer auf dem Papier stehen. Meistens gibt es ohnehin zwei, oder in Ausnahmen sogar mehr Formationen zu beobachten. Hier spricht man von einer Formation „gegen den Ball“ und einer „mit dem Ball“. Gegen den Ball bedeutet, dass eine Mannschaft verteidigt. Wie verhält sie sich dann? In der Bundesliga ist hier das 4-4-2 sehr beliebt. Mit dem Ball, also nach Balleroberung, gestaltet sich dies häufig anders und die Grundordnung wird variabler und offensiver.

Staffelung: Von einer Staffelung reden Fußballer vor allem in Verbindung mit Formationen. Hier ist vor allem die Formierung der Spieler gemeint. Beliebte Sätze sind zum Beispiel: „Team Rot spielte in einer 4-4-2-Staffelung.“ Gemeint ist also, dass die zehn Feldspieler in einer bestimmten Anordnung gestaffelt sind. Von guter, oder schlechter Staffelung spricht man speziell dann, wenn eine Formation im Defensivverhalten gut, oder eben schlecht steht. Das wird meist daran festgemacht, ob die Abstände gut sind und ob man kompakt stehen kann.

Asymmetrie: Formationen können auch asymmetrisch sein. Dies kann vom Trainer gewollt, aber auch ungewollt sein. Ungewollt ist es zum Beispiel, wenn ein Offensivspieler die Aufgabe bekommt die Mittelfeldreihe beim Verteidigen zu unterstützen, diese aber vernachlässigt und so zu hoch steht. Gewollt hingegen ist es, wenn der Trainer zum Beispiel einen Flügelstürmer weit innen spielen lässt, während der andere seine Position außen hält. Dies dient dazu den Spieler selbst dem Tor näher zu bringen, einem offensiven Außenverteidiger mehr Platz zu geben, oder für Überlagerungen auf der anderen Seite zu sorgen.

Überlagerungen/Überladungen: Überläd ein Team eine Seite, so versucht es dort Überzahl zu schaffen, um sich hinter die gegnerische Abwehr zu kombinieren, oder Lücken im Zentrum zu kreieren. Die gegnerische Mannschaft muss dann entscheiden, ob sie in Unterzahl bleibt, oder ob Spieler aus dem Zentrum nach außen rücken und so gefährlichen Platz in der Mitte hinterlassen. Die überladende Mannschaft hat den Nachteil, dass sie bei Ballverlust sehr offen im Zentrum steht. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der BVB, aber auch die Bayern. Oft überladen sie eine Seite, um dann mit einer gezielten Verlagerung einen allein stehenden Spieler auf der anderen Seite in Szene zu setzen. Bei Dortmund war dies in der Vergangenheit häufig Ginter der profitieren konnte.

Überlagerung
Team Blau überläd die rechte Abwehrseite der Roten. Es entsteht eine Überzahl von 6 gegen 4 auf dem Flügel. Der rechte Außenverteidiger von Blau steht als einziger noch auf der anderen Seite, um bei einer schnellen Spielverlagerung den Raum zu nutzen.

Kompaktheit und Abstände: Die Erklärung der Begriffe ist recht simpel. Steht eine Mannschaft kompakt, heißt das, dass sie sehr eng beieinander steht und wenige Lücken lässt. Die Abstände zwischen den Spielern sind horizontal, aber auch vertikal meist sehr gering. In der Defensive ist es oft sinnvoll das Spiel eng zu machen. Ist man allerdings selbst am Ball, so versucht man natürlich den Gegner auseinander zu ziehen, um Lücken zu kreieren und macht das Spiel breit.

 

Kompaktheit
Die rote Mannschaft steht deutlich Kompakter, als die blaue. Sowohl horizontal, als auch vertikal sind die Abstände viel geringer.

Verschieben: Gerade haben wir über eine kompakte Formation gesprochen. Diese bleibt nur kompakt, wenn auch alle Spieler ihre Abstände zueinander halten. Hat der Gegner also auf der linken Seite den Ball, verschiebt sich die kompakte Formation nach links und lässt die rechte Seite frei. Dies führt zu engen Räumen für den Gegner und macht es für diesen schwerer hinter die Abwehrreihe zu kommen. Verschieben kann man in alle Richtungen, also auch nach vorne und nach hinten.

Spielverlagerung: Man macht also das Spiel breit, um den Gegner auseinander zu ziehen, doch was, wenn der Gegner kompakt verschiebt und keine Lücken im Zentrum bietet? Dann lässt er auf jeden Fall viel Platz auf der anderen Seite. Eine Spielverlagerung bedeutet, dass das Spielgeschehen von einer Zone, in eine andere „verlagert“, also befördert wird. Dies kann schnell gehen, indem ein Diagonalball auf die andere Seite geschlagen wird, oder aber man zieht das ganze langsam über ein Kurzpassspiel auf. Ersteres ist zwar riskant, sorgt aber für viel Platz und einen größeren Raumgewinn.

Spielverlagerung und Kompaktheit in einer Grafik. Team Blau verschiebt kompakt nach links, weil dort der Ball ist. Team Rot verlagert das Spielgerät mit einem diagonalen langen Ball sehr geschickt und schafft so schnellen Raumgewinn gegen die kompakten blauen.
Spielverlagerung und Verschieben in einer Grafik. Team Blau verschiebt kompakt nach links, weil dort der Ball ist. Team Rot verlagert das Spielgerät mit einem diagonalen langen Ball sehr geschickt und schafft so schnellen Raumgewinn gegen die kompakten blauen.

„zwischen den Ketten“: Hier sind die Räume zwischen den Formationslinien gemeint. Gehen wir von einem 4-4-2 aus, so gibt es immer Platz zwischen der ersten und der zweiten Viererkette, sowie zwischen der Mittelfeldkette und den zwei Angreifern. In diese Räume will man kommen, um sich Platz zu schaffen und Chancen zu kreieren. Anschließend geht es idealerweise darum „hinter die Abwehrkette“ des Gegners zu kommen.

Dreiecke: Um den Ballbesitz zu erhalten, ist es oft wichtig situative Überzahl zu schaffen. Ein beliebtes Mittel dafür sind die sogenannten Dreiecke. Ein Außenverteidiger und ein Flügelstürmer stehen zum Beispiel auf einer Linie. Um den Passweg der beiden zu blockieren, reicht es, wenn der Gegenspieler sich zwischen sie stellt. Um diesen zu überspielen, bietet sich ein dritter Spieler einfach an und macht aus der Linie ein Dreieck. Dreiecksbildung muss aber nicht zwingend nur auf den Außen praktiziert werden.

Dreiecke
Durch kluge Dreiecksbildung entstehen immer Anspielstationen für Team Blau und der Ball kann auf einfache Art und Weise in den eigenen Reihen bleiben.

Positionsspiel: Mit Positionsspiel ist einfach die Besetzung und Rotation der einzelnen Positionen gemeint. Hier gibt es Teams, die ihre Ordnung nicht hergeben wollen und es gibt Teams wie den FC Bayern, bei denen es auch vorkommt, dass ein Innenverteidiger mal auf der Neun zu finden ist, wie beim Auswärtsspiel auf Schalke. Diese ständige Rotation in der Positionsbesetzung wird Positionsspiel genannt. Es ist ein wichtiges Element des Ballbesitzspiels.

„Den Ball festmachen“: Wenn ein Spieler mit dem Rücken zum Verteidiger steht, ist es manchmal sinnvoller sich nicht zu drehen und den Ballbesitz zu erhalten. „Den Ball festmachen“ bedeutet also, dass man in Zweikämpfen vorrangig den Ball in den eigenen Reihen behalten soll und nicht durch ein sinnloses Dribbling verliert.

Deckungsschatten: Der Deckungsschatten ist jener Bereich, welcher durch einen Spieler abgedeckt wird. Stellt sich ein Spieler zwischen ballführenden Gegner und seine Anspielstation, so hat er die Anspielstation im Deckungsschatten.

Mann- und Raumdeckung: Bei der Manndeckung orientiert sich die verteidigende Mannschaft an ihren Gegenspielern und es gibt eine klare Zuordnung. Vorteile einer Manndeckung sind die direkte Zweikampfpräsenz und der Druck den man so auf den Gegner ausübt. Ein großer Nachteil ist das ständige Herausrücken einzelner Spieler. Durch die Bewegungen des Gegners verlassen sie die Formation und lassen hinter sich so Räume für andere Gegenspieler. Auch deshalb wird Manndeckung nur noch sehr selten praktiziert. Spielt eine Mannschaft mit Raumdeckung, so achtet sie vor allem darauf ihre Formation zu halten. Durch das Aufrechterhalten der Kompaktheit, ist es für den Gegner schwieriger sich in das letzte Drittel zu kombinieren. Wie der Name es schon sagt, wird hier also nicht der Gegenspieler an sich gedeckt, sondern der Raum abgedeckt in welchem dieser sich bewegt.

Ballzirkulation:  Der Ball wird in den eigenen Reihen gehalten. Meist wird hier vor allem Kurpassspiel genutzt, weil es die sicherste Variante ist. Ballzirkulation ist also nichts anderes, als den Ball „laufen zu lassen“.

Statistiken/Diagramme:

„invertiert“, „inverted“: Ich erstelle sehr gerne Diagramme. Unter anderem Netzdiagramme, wie das folgende.

KCDCvsROBBERY2
Douglas Costa und Kingsley Coman in dieser Saison vs. Franck Ribéry und Arjen Robben in der Saison 2013/14. Stand: 12.11.2015

In diesem Beispiel habe ich „KCDC“ in der aktuellen Saison mit „Robbery“ aus der Saison 2013/14 verglichen. Es gibt fünf Achsen. Die Statistiken „KeyPasses“, „Fouled“, „Successful Dribbles“ und „Shots“ sind alle sehr einfach zu betrachten. Je höher der Wert ist, umso besser ist er auch. Zwei Schlüsselpässe sind besser als einer und vier Dribblings besser als drei. Betrachtet man aber die Statistik „Possession loss“, also Ballverluste, so stellt man fest, dass fünf Ballverluste eben nicht besser sind als vier, sondern schlechter. Ein Diagramm ist für uns aber einfacher zu lesen, wenn alle Achsen gleich zu betrachten sind, also invertiere ich diese eine Achse. Ich bilde den Gegenwert und so kommt es, dass „KCDC“ eine größere Fläche in der Grafik hat, als Robbery, obwohl sie den Ball weniger verloren haben. Nicht verstanden? Kein Problem: In meinen Diagrammen heißt mehr Fläche einfach IMMER, dass der Wert auch besser ist.

Das Pressing:

Spätestens seit Jürgen Klopp sprechen wir oft über das Pressing. Er hat es nicht erfunden, aber er hat mit Sicherheit den Fokus in Deutschland darauf gelegt und diente vielen Trainern als Vorbild. Doch was ist Pressing eigentlich und welche Arten von Pressing gibt es? Der Begriff im Allgemeinen wird auch als „Anrennen“ verstanden. Die Mannschaft jagt die ballführende Mannschaft so lange, bis sie den Ball gewinnt. Hier gibt es aber verschiedenste Arten. Man kann das Pressing nach Zonen sortieren, aber man kann es auch nach der Intensität einordnen. Es gibt Mannschaften die ihren Gegner versuchen über die gesamte Spielzeit unter Druck zu setzen und es gibt welche, die nur situativ angreifen, um ihren Gegner zu überraschen.

Beim Pressing nach Zonen unterteilt man in Angriffspressing, Mittelfeldpressing und Abwehrpressing.

Angriffspressing: Es ist die aggressivste, kraftraubendste und riskanteste Art und Weise ein Pressing aufzuziehen. Die komplette Mannschaft verschiebt extrem weit nach vorn und versucht so den Gegner schon im Aufbauspiel erheblich zu stören. Auch der Torwart wird attackiert. Großer Nachteil dieser Methode ist, neben dem hohen Aufwand, vor allem die weit aufgerückte eigene Defensive. Lange Bälle müssen konsequent verhindert und das Spielgerät zwingend gewonnen werden. Schafft es der Gegner die aggressive Pressingreihe zu überspielen, so steht man selbst ziemlich blank. Der Druck ist aber im Idealfall so hoch, dass es die andere Mannschaft sehr schwer hat kontrollierte Bälle zu spielen.

Mittelfeldpressing: Das Mittelfeldpressing ist die meist praktizierte Variante im Moment. Dem Gegner wird der Spielaufbau erlaubt, aber während dieser stattfindet, stellt die Mannschaft bereits die Räume so zu, dass dem Gegner nur bestimmte Zuspiele erlaubt werden. Kommen diese Zuspiele, so attackiert man den Gegenspieler gezielt im Mittelfeld und stellt seine weiteren Anspielstationen zu. Diesen Prozess nennt man auch „isolieren“. Ziel ist es meistens einen Spieler zu isolieren und diesen zum Ballverlust zu zwingen.

Abwehrpressing: Dieses Pressing ist die defensivste Variante. Hier finden ähnliche Prozesse statt wie beim Mittelfeldpressing, nur viel tiefer. Meist beginnend 10-20 Meter hinter der Mittellinie.

Gegenpressing: Ein Begriff der ebenfalls durch Jürgen Klopp in Deutschland aufkam, war das „Gegenpressing“. Hierbei handelt es sich um das direkte Anlaufen nach Ballverlusten. Verliert man den Ball, steht die eigene Mannschaft oft sehr schlecht. Durch gutes Gegenpressing versucht man, den Gegner sofort so zu attackieren, dass dieser die Lücken in der eigenen Formation nicht nutzen kann. Pep Guardiola lässt beim FC Bayern einen sehr offensiven Fußball spielen, der in den letzten Jahren sehr Konteranfällig war. Das Gegenpressing ist hier eines der wichtigsten taktischen Stilmittel, um die Konter zu verhindern.

Mannorientierungen: Beim Mannorientierten Pressing findet häufiges herausrücken aus den Ketten statt. Gehen wir von einem 4-4-2 aus, so rückt beispielsweise ein zentraler Mittelfeldspieler gelegentlich heraus, um einen Gegenspieler zu stören. Die Mannschaft orientiert sich also an ihren Gegenspielern und attackiert diese aktiv.

Raumorientierungen: Das Raumorientierte Pressing hingegen ist etwas passiver. Man achtet vor allem darauf kompakt zu stehen und den Gegner in bestimmte Bereiche zu locken, um dann kollektiv zupacken zu können. Ähnlich der Raumdeckung, versucht die Mannschaft also den bespielbaren Raum des Gegners abzudecken und vermeidet einzelnes Herausrücken, um dem Gegner keinen Platz zu bieten.

herausrücken: Gegen den Ball spielt so gut wie jede Mannschaft in einer festen Formation. Verlässt ein Spieler diese aus verschiedenen Gründen, so spricht man vom „herausrücken“. Besonders beim Pressing mit Mannorientierungen ist dies immer wieder zu beobachten.

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Schaut man sich hier das verhalten von Team Rot an, so sieht man, dass sie sich aus ihrer 4-4-2-Staffelung lösen, um Team Blau unter Druck zu setzen. Dadurch entstehen Räume, die Team Blau gut bespielen kann. Man nennt das Verhalten von Team Rot „herausrücken“. Grundsätzlich ist es deshalb aber keine schlechte Variante. Richtig gespielt kann sie sehr effektiv sein.

Positionen/Rollen:

Ich denke jeder sollte wissen, was ein Innenverteidiger, Außenverteidiger, zentraler Mittelfeldspieler, oder Stürmer zu tun haben. Es gibt aber noch spezifischere Rollen, welche ich an dieser Stelle kurz erklären möchte.

Abwehr:

Der ballspielende Innenverteidiger: In unserem Kader lässt sich diese Rolle am ehesten an Jerome Boateng erklären. Neben seinen üblichen Aufgaben in der Defensive, ist er oft der erste Spielgestalter im Team. Er sorgt für die Spieleröffnung, spielt gefährliche Diagonalbälle und ist der erste verantwortliche Spieler, wenn es darum geht in das nächste Drittel zu kommen.

Halbverteidiger: Die beiden äußeren Innenverteidiger in einer Dreierkette werden als Halbverteidiger bezeichnet. Der Halbverteidiger ist quasi ein vorstoßender Innenverteidiger. Auf der Welt gibt es nicht viele Spieler, die diese Position perfekt beherrschen. Mit David Alaba haben wir einen von ihnen im Kader. Defensiv sind die Aufgaben von Halb- und Innenverteidiger ziemlich gleich, aber in der Offensive ist das – je nach Trainer – etwas anders. Unter Guardiola interpretiert Alaba diese Position beispielsweise sehr offensiv. Er spielt einen Mix aus Innenverteidiger, Außenverteidiger, Flügelstürmer und zentralem Mittelfeldspieler. Die Balance zwischen Angriff und Abwehr zu finden wird speziell bei dieser Aufgabenverteilung sehr schwer.

Flügelverteidiger: Flügelverteidiger sind einfach nur sehr offensive Außenverteidiger. Sie greifen im Offensivspiel stets im letzten Drittel mit ein, sind aber auch mit den typischen Defensivaufgaben eines Außenverteidigers ausgestattet. Sie werden häufig dazu verwendet, um aus einer bestehenden Dreierkette eine Fünferkette zu machen.

Zentraler Außenverteidiger: Eigentlich diese Position ein Widerspruch in sich, aber sie ist eine – meines Wissens nach – von Guardiola in den Fokus gerückte Position. Der Spanier ist dafür bekannt, dass seine Außenverteidiger bei Ballbesitz nicht nur den Flügel bearbeiten, sondern auch im Zentrum für Anspielstationen sorgen. Die Aufgaben eines Außenverteidigers sind dennoch von ihnen zu übernehmen.

Das zentrale Mittelfeld:

Der Sechser: Die Sechs ist der defensive Mittelfeldspieler. Er spielt direkt vor der Abwehr und kann dort ganz verschiedene Aufgaben übernehmen.

Abräumer: Der Abräumer, oder auch Zerstörer, ist der Mann vor der Abwehr, der die Zweikämpfe gewinnen soll und dort die Abwehr entlastet. Ein weiteres Synonym ist „der Staubsauger“.

Mediocentro: Ich liebe diesen Begriff und nutze ihn deshalb viel lieber, als „deep lying Playmaker“, oder „Ballhaltender Mittelfeldspieler“. Diese Rolle ist sehr anspruchsvoll. Der Sechser ist verantwortlich für den Spielaufbau und für die Bestimmung des Tempos. Xabi Alonso und Sergio Busquets sind derzeitige Beispiele auf Elite-Niveau. Sie lassen sich, wenn es sein muss, zwischen ihre Innenverteidiger fallen und spielen dann die wichtigen ersten Pässe ins nächste Drittel. Sie sind eine Art defensiver Spielmacher und in ihrer Wichtigkeit für ihre Mannschaften nicht zu unterschätzen.

Der Achter: Der Achter wird auch als „Zwischenspieler“ bezeichnet, weil er zwischen Abwehr und Mittelfeld für unterschiedliche Aufgaben zuständig ist. Die für den Zuschauer attraktivste Rolle ist die, welche zum Beispiel Iniesta bei Barcelona, oder Thiago bei Bayern übernimmt. Sie sind bei Ballbesitz dafür zuständig ihren „Mediocentro“ zu unterstützen und sich in den Halbräumen anzubieten. Kriegen sie dann den Ball, treiben sie ihn durch gezielte Dribblings nach vorn, oder spielen einen klugen Pass in die Schnittstellen. Auch die kluge Spielverlagerung zählt zu ihren Aufgaben. Sie sind auf dem Feld vor allem auch als Nadelspieler extrem wichtig.

Nadelspieler: Nadelspieler sind dazu da, um in engen Räumen den Ballbesitz zu erhalten. Sie finden auch dann Lösungen, wenn sie in Unterzahl sind und verfügen meist über ein großes Spielverständnis und eine hervorragende Technik. Sie lösen diese Drucksituationen auf und schaffen es die freien Räume anschließend zu bespielen. Beispiele für Nadelspieler sind Iniesta, Thiago und auch Mario Götze.

Box-to-Box-Midfielder: Ein Mittelfeldspieler der zwischen beiden Strafräumen immer präsent ist. Diese Aufgabe ist mit vielen Zweikämpfen, vielen Offensivaktionen, aber vor allem mit viel Arbeit verbunden. Prominente Beispiele bei uns sind Arturo Vidal und Sebastian Rode, wobei die beiden aufgrund unseres dominanten Spielstils eher Mittellinie-to-Box-Midfielder sind.

Der Spielmacher: Die Rolle an sich ist keine komplexe, aber ich erwähne sie, weil es nicht viele Spieler gibt, die sie beherrschen. Mesut Özil dürfte derzeit der beste Spielmacher der Welt sein und nach ihm folgt lange nichts. Lionel Messi könnte diese Position vermutlich noch besser interpretieren als er, wird aber häufig als Flügelstürmer eingesetzt. Wichtig sind technische Fähigkeiten und das kreieren von Chancen.

Der Angriff: Hier unterteilt man in zentrale Stürmer, Stürmer im Halbraum und reinen Flügelstürmern.

Flügelstürmer: Hier gibt es ganz verschiedene Arten von Interpretationen. Eine lässt sich an Robben erklären. Sein typisches Merkmal ist das nach innen ziehen mit dem Ball. Es gibt aber auch Flügelstürmer, die stets auf den Außen bleiben und ihre Stärken über Flanken definieren.

Stürmer/Spielmacher im Halbraum: Eine Mischung aus Flügelstürmern und Mittelstürmern stellen die Stürmer im Halbraum dar. Es sind meist technisch begabte Spieler, die in den Halbräumen für Unruhe sorgen sollen. Guardiola setzte in der letzten Saison zum Beispiel Götze sehr oft auf einer solchen Position ein, da er für den Flügel nicht explosiv genug ist. Für diese Position braucht man Technik, ein gutes Stellungsspiel und die nötigen Fähigkeiten um Chancen zu kreieren, oder gar selbst für Abschlüsse zu sorgen. Auch Mesut Özil hat diese Rolle bereits gespielt. Für Deutschland besetzte er sie während der WM und bei Arsenal kam er auch schon im linken, oder rechten Halbraum zum Einsatz.

Falsche 9: Fälschlicher Weise wird fast jeder Mittelfeldspieler als falsche Neun bezeichnet, der im Sturm eingesetzt wird. Tatsächlich kommt es aber auf die Interpretation der Position an. Eine falsche Neun lässt sich immer wieder aus dem Angriff fallen, um Räume zwischen der Abwehr und des Mittelfelds des Gegners zu bespielen und eine Brücke zwischen Mittelfeld und Angriff zu schaffen. Für die Abwehr ist das sehr schwer zu verteidigen. Lionel Messi war lange Zeit der Prototyp einer falschen Neun, doch auch Robert Lewandowski, der ja eigentlich ein „echter Neuner“ ist, übernimmt in manchen Spielen eine solche Rolle.

Wandspieler: Der von Ottmar Hitzfeld so beliebte Wandspieler stirbt langsam aus. Ein aktuelles Beispiel aus der Bundesliga ist Lasogga. Meist sind es sehr bullige Stürmer, die den Ball vorne festmachen, mit dem Körper abschirmen und dann verteilen.

Hängende Spitze: In einem Doppelsturm ist die hängende Spitze etwas tiefer positioniert. Das wohl beste Beispiel ist Thomas Müller. Er ergänzt seinen Partner Robert Lewandowski sehr gut und erläuft ihm viele Räume. Man kann die Hängende Spitze daher auch als Zuarbeiter bezeichnen.

Ungefähre Positionierung der einzelnen Rollen. Nicht alle Positionen wurden im Text beschrieben, da einige Positionen selbsterklärend sein sollten.
Ungefähre Positionierung der einzelnen Rollen. Nicht alle Positionen wurden im Text beschrieben, da einige Positionen selbsterklärend sein sollten.
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