#LahmsteigersThesen #3 – #B04FCB

Jetzt geht die Rückrunde so richtig los. In 29 Tagen erwarten uns sechs Spiele, darunter schwere Auswärtsspiele in Turin, Augsburg, Wolfsburg und jetzt am Wochenende in Leverkusen. Speziell bei der Werkself gab es für uns in den letzten Jahren wenig zu holen und angesichts der schwierigen Situation in der Abwehr, könnte es auch diesmal ein ganz enges Spiel werden. Im Vorfeld habe ich mit Frank Lußem vom Kicker gesprochen. Er schreibt dort meist über Bayer 04 Leverkusen.

Hallo Herr Lußem, stellen Sie sich doch bitte kurz selbst vor und erzählen Sie uns in welcher Verbindung Sie zu Bayer 04 Leverkusen außerhalb Ihrer journalistischen Tätigkeit stehen.

Also, mein Name ist Frank Lußem, ich werde im kommenden Monat 56 Jahre alt und arbeite seit 35 Jahren für das Kicker-Sportmagazin. Den weitaus größten Teil meiner beruflichen Zeit habe ich mit Bayer Leverkusen verbracht. Auf die Welt gekommen bin ich als Kölner und Fan des 1. FC Köln, was später dann nicht immer ganz einfach war. Heute bin ich wahlweise „Geißbock“ oder „Pillendreher“, da ich beiden Klubs durchaus Sympathie entgegen bringe. Ich bin in diesen Jahrzehnten natürlich vielen Menschen begegnet, pflege auch durchaus Bekanntschaften außerhalb des Jobs. Einer meiner engsten Freunde ist Reiner Calmund, der Ex-Manager von Bayer, den ich unter anderem auch beim Verfassen seiner beiden Bücher unterstützt habe. Ansonsten gibt es keine Verbindungen außerhalb meiner journalistischen Tätigkeit, früher war das anders, z. B. als ich in ähnlichem Alter war wie die Spieler.

Man hat nicht das Gefühl, dass Bayer eine richtig gute Saison spielt und dennoch stehen sie auf Platz vier. Wie zufrieden kann man derzeit in Leverkusen sein?

Das Gefühl trügt nicht, die Hinrunde war äußerst durchwachsen. Dass Bayer trotzdem auf Platz vier steht, liegt eher an der Schwäche der Konkurrenz. Der einzige Konkurrent, der einigermaßen konstant gespielt hat – Borussia Dortmund – ist aus diesem Grund ja auch allen anderen Kandidaten um die Plätze 2 bis 4 auf Nimmerwiedersehen enteilt. Zufrieden ist man nicht ob dieser Entwicklung, glaubt sich aber stark genug, sie korrigieren zu können.

Julian Brandt gilt als das größte Talent im Kader der Werkself. Derzeit kommt er auf nur 625 Bundesliga-Minuten. Woran könnte das liegen? 

Julian Brandt durchlebt aktuell eine schwierige Zeit. Der Fußball, den Roger Schmidt spielen lässt, verlangt 90 Minuten Aufmerksamkeit und Konzentration, du musst immer auf der Höhe sein, musst immer mitmachen, sehr viel und konsequent anlaufen, nach hinten laufen, verschieben und so weiter und so fort. Was viele vergessen angesichts dessen, was er an Talent schon aufblitzen ließ: Julian ist erst 19. Er muss durch Wellentäler, geht dann leistungsmäßig eben auch mal unter. Aber grundsätzlich halte ich ihn für eines der großen deutschen Offensivtalente. Wichtig für ihn ist es, in dieser Phase jetzt zu erkennen, was gut ist und was nicht. Dass er einsieht, dass er draußen sitzt, weil andere eben ein Stück weiter sind und er an der Entwicklung arbeiten muss. Wenn er zumacht und Frust schiebt, dann wird seine Karriere ins Stocken geraten. Aber diese Tendenz erkenne ich bei ihm nicht. Ich tue das jetzt mal als normale Entwicklungsdelle ab.

Unser letzter Bundesliga-Sieg in Leverkusen war am 16.03.2013 und davor am 29.11.2008. Wie groß sehen Sie die Chancen darauf, dass Leverkusen uns erneut Punkte abnehmen kann? 

Es waren Spiele dabei, die der FC Bayern entweder ganz klar hätte gewinnen müssen (ich erinnere mich an ein 1:1, als Bernd Leno sensationell hielt), wo ihm wichtige Spieler fehlten (Robben/Ribéry) oder wo der FC Bayern die Bundesliga bereits abgeschenkt hatte, wie in der vergangenen Saison, als Jungs beim Rekordmeister aufliefen, die außerhalb Münchens keiner kannte. Insofern messe ich der Serie keine Bedeutung bei und erkläre den Meister zum großen Favoriten. Leverkusens Chance sehe ich in der Leidenschaft: Wenn man die Bayern hart attackiert, werden sie vorsichtig, verlieren möglicherweise ihre Linie und dann kann was gehen. Soweit der Schnelldurchlauf der beiden wahrscheinlichsten Szenarien.

Abschließend hätte ich gerne noch einige Prognosen von Ihnen: Wie geht das Spiel aus, wo landet Leverkusen am Ende der Saison und wie weit kommen sie in Europa?

Ich tippe auf ein 2:1 für den FC Bayern, sehe Leverkusen auf Platz vier am Ende und in der Europa League in der Runde der letzten 16.

Vielen Dank für das Kurzinterview!

 

Statistiken

Die letzten fünf Spiele in Leverkusen

B04 2-0 FCB (Bundesliga 31. Spieltag, 02.05.2015)
B04 3-5 n.E. FCB (DFB-Pokal, Viertelfinale 08.04.2015)
B04 1-1 FCB (Bundesliga 8. Spieltag, 05.10.2013)
B04 1-2 FCB (Bundesliga 26. Spieltag, 16.03.2013)
B04 2-0 FCB (Bundesliga 24. Spieltag, 03.03.2012)

Die letzte Niederlage gegen Leverkusen

B04 2-0 FCB (Bundesliga 31. Spieltag, 02.05.2015)

Ungeliebtes Auswärtsspiel. In 40 Auswärtsspielen konnten wir nur 17 Siege holen. Neunmal endete das Spiel Unentschieden und 14 Niederlagen gab es in Leverkusen. Aus den letzten sechs Bundesliga-Gastspielen in Leverkusen konnten wir nur einmal die drei Punkte mitnehmen.

Angstgegner? Aus den letzten 16 Spielen in Pokal und Liga konnten wir nur achtmal gewinnen. Angstgegner also eher nicht, aber ein unangenehmer.

Torreich. Wie bei vielen Begegnungen mit dem FC Bayern, fallen auch zwischen diesen beiden Mannschaften relativ viele Tore. Im Schnitt gab es in 80 Spielen 3,075 Tore pro Spiel zu bestaunen. Bayern erzielte dabei 1,91 Tore pro Spiel, Leverkusen immerhin 1,16. Das letzte 0-0 der beiden in der Liga gab es am 31. Spieltag der Saison 1989/90 in Leverkusen. Auch das Aufeinandertreffen im Pokal Viertelfinale 2014/15 blieb bis zum Elfmeterschießen Torlos.

Torjäger. Lewandowski erzielte bisher alle Pflichtspiel-Tore des FC Bayern in 2016. Insgesamt kommt er in der Liga nun auf 19 Tore nach 19 Spieltagen und somit auf eine persönliche Bestmarke zum jetzigen Zeitpunkt.

Noch ein Torjäger. Auch „Chicharito“ ist in Torlaune. In 16 Bundesliga-Spielen gelangen ihm 13 Tore.

Jubiläum. Lewandowski wird sein 50. Bundesliga-Spiel für den FC Bayern absolvieren. Er schoss dabei beachtliche 36 Tore.

Abwehrsorgen. Auch im Hinspiel mussten wir auf wichtige Defensivspieler verzichten. Damals spielten Bernat, Alaba und Lahm in einer Dreierkette. Gegen den Ball kippte außerdem Alonso in die Innenverteidigung ab und komplettierte so eine Viererkette. Dennoch stand am Ende die Null.

Lieber ohne Neuer? Natürlich nicht, aber der Torwart hat in 18 Spielen gegen Leverkusen schon neunmal verloren. Nur in vier blieb er ohne Gegentor.

Guardiola vs. Leverkusen. Schon  achtmal coachte Guardiola ein Team gegen Leverkusen. Sechs Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage sind dabei die beeindruckende Bilanz. 2,38 Punkte holt der Katalane pro Spiel gegen die Werkself.

Schmidt vs. Bayern. Roger Schmidt hingegen trat als Trainer erst viermal gegen den FC Bayern an. Einmal gewann er, dreimal verlor er. Das macht 0,75 Punkte pro Spiel.

Pep und die Top sechs. Letzte Saison holte er von 30 möglichen Punkten gegen die Teams, die am Ende die Plätze von zwei bis sechs belegten, nur 12 Punkte.

Pep und die Rückrunde. Holte er gegen die Angesprochene Top sechs in der letzten Saison in der Hinrunde noch 11 von 15 möglichen Punkten, waren es in der Rückrunde nur noch einer von 15. In dieser Saison holte der Katalane bisher 12 von 15 möglichen Punkten gegen die besten fünf nach dem FC Bayern. Folgt in der Rückrunde wieder ein Absturz?

Rückblick: Im Hinspiel hatte man ebenfalls arge Probleme in der Besetzung der Defensive. Dennoch konnte man am Ende souverän und dominant mit 3-0 gewinnen. Müller (2 Tore) und Robben sorgten für den Endstand. Xabi Alonso überragte in einer Hybrid-Rolle aus Innenverteidiger und Sechser.

 

So würde ich aufstellen… 

Derzeit gibt es nicht viel Spielraum für Pep Guardiola, aber angesichts der Situation würde ich dennoch gern etwas „neues“ sehen. Arturo Vidal hat in seiner Zeit bei Juventus bereits Innenverteidiger gespielt und somit etwas Erfahrung auf dem Gebiet gesammelt. Gerne würde ich ihn gegen Leverkusen als Halbverteidiger sehen. Er könnte mit Lahm regelmäßig die Positionen wechseln und so auch mal für Vorstöße sorgen. Gegen den Ball würde er dann in die Innenverteidigung neben Badstuber rücken. Lahm spielt seine Rolle in letzter Zeit überragend. Im letzten Heimspiel hat er seine wohl beste Saisonleistung gezeigt. Er findet derzeit die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive. Gerade jetzt, wo die Defensive mehr gefordert ist, als noch in der Hinrunde, wird ein Lahm in Topform wichtig sein. Auch gegen Leverkusen würde ich ihn die Hybrid-Rolle aus zentralem Mittelfeldspieler und Außenverteidiger spielen lassen. Außerdem würde ich Coman und Alonso eine Pause gönnen. Beide haben viele Spiele gemacht und wirken etwas müde und unkonzentriert. Coman traut sich meiner Meinung nach zu wenig zu und fällt dadurch etwas ab. Alonso hingegen ist zwischen Genie und Wahnsinn. Auch gegen Hoffenheim hatte er wieder viele großartige Aktionen, aber auch einige Patzer, die gegen Leverkusen gefährlich wären. Kimmich machte ein gutes Spiel als Halbverteidiger, doch in Leverkusen wäre mir diese Rolle für ihn zu riskant. Ich würde ihn für Xabi Alonso spielen lassen und Thiago für Coman bringen. Ich denke es ist unwahrscheinlich, dass Guardiola so aufstellt, aber es sind ja auch nur meine Gedanken. Tasci würde ich ebenfalls gerne sehen, aber ich weiß nicht, wie fit er schon ist. Auch ein Götze-Comeback würde mich sehr freuen.

Auf was müssen wir achten?

Leverkusen spielt gerade zu Hause ein sehr selbstbewusstes Angriffspressing. Speziell gegen hochstehende Gegner hat uns die Qualität von Jérôme Boateng immer sehr geholfen, weil er durch gezielte lange Bälle diese Pressinglinie überspielen kann. Eine 3-3-Staffelung wäre im Aufbau deshalb nicht verkehrt. Drei aufbauende Verteidiger und Alonso, oder Kimmich im Zentrum davor. Lahm und Thiago würden sich dann in den Halbräumen anbieten, was zum Beispiel gegen Dortmund sehr gut funktionierte. Wichtig wird es sein schon mit Ball präventiv zu verteidigen. Leverkusen ist eine der gefährlichsten Konter-Mannschaften der Liga und deshalb muss man in erster Linie Ballverluste vermeiden, in zweiter aber auch gegen solche vorsorgen, indem man clever absichert. Auf das Mittelfeld wird es da besonders ankommen. Lassen wir unsere Abwehrreihe zu isoliert, könnte es sehr gefährlich werden. Außerdem ist es natürlich wichtig vor dem Tor konzentriert zu sein. Im letzten Drittel häuften sich zuletzt die Fehlpässe, was gegen Leverkusen tödlich wäre. Wir brauchen eine gute Chancenverwertung und eine hohe Konzentration für die Ballzirkulation. Bekommen wir beides auf den Rasen, werden wir als Sieger vom Platz gehen. Es wird bis zum Spiel in Turin das wichtigste und schwerste Spiel. Ein Sieg wäre ein endgültiges Zeichen Richtung Dortmund, dass man trotz vieler Probleme nicht strauchelt und diese vierte Meisterschaft in Folge unbedingt holen will.

 

Fünf Thesen zu #B04FCB

1: Lewandowski die Dritte! Auch in Leverkusen wird er treffen.

2: Nicht zu Null. Der FC Bayern wird wenigstens zwei Tore benötigen, um das Spiel zu gewinnen, weil Leverkusen mindestens ein Tor erzielen wird.

3: 68-72% Ballbesitz. Leverkusen wird größtenteils auf Konter lauern, aber auch eigene Ballbesitzphasen bekommen. Am Ende wird es ein leicht überdurchschnittlicher Wert für die Bayern im eben benannten Bereich.

4: Bayern gewinnt! Mein Vertrauen in diese Mannschaft ist riesig. Es läuft derzeit nicht alles rund und gerade in Leverkusen lassen wir gerne Punkte liegen, aber diesmal nicht. Wir holen den Dreier!

5: Javier Hernandez erzielt kein Tor. Der Mexikaner hat einen unglaublichen Lauf, wird gegen uns aber nicht treffen.

Auswertung der letzten fünf Thesen: 3/5
Gesamtstand: 6/10

Uns allen ein erfolgreiches Spiel!

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