Analyse: VfL Bochum – FC Bayern München

Der FC Bayern zog in einem mühevollen Auswärtsspiel ins Halbfinale des DFB Pokals ein. Am Ende war der Sieg verdient, aber auch hart erarbeitet. Nach anfänglich sehr großen Problemen, konnte man sukzessive die Kontrolle erlangen. Eine rote Karte sollte schließlich endgültig für die Entscheidung sorgen.

Die Ausrichtungen beider Teams

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Pep Guardiola brachte alles, was ihm zur Verfügung stand und zeigte so, wie wichtig ihm dieser Wettbewerb ist. Der FC Bayern startete in der Grundausrichtung im selben System, wie in den letzten Wochen. Lahm agiert hierbei im Ballbesitz im rechten Halbraum und unterstützt Alonso im Spielaufbau, lässt sich aber auf die Rechtsverteidiger-Position fallen, wenn Bayern den Ball verliert. Er ist für das Offensivspiel wichtig, muss aber gleichzeitig die Defensive bei Kontern verstärken. Keine einfache Aufgabe, die er aber auch heute wieder hervorragend erfüllen sollte. Kimmich hat zum dritten Mal in Folge als Halbverteidiger/Innenverteidiger gespielt. Coman bekam eine Pause. Robben und Costa besetzten die Flügel, während das beste Sturmduo Europas (Müller und Lewandowski, zusammen mit Benzema und Ronaldo) wieder vereint war. Thiago besetzte die Achterposition und sollte dort, wie schon so oft, die wichtigen Räume zwischen den Ketten der Bochumer bespielen.

Der VfL sorgte ebenfalls für keine Überraschung. In der Viererkette begannen Bastians und Fabian in der Innenverteidigung. Die Außenverteidiger Perthel und Celozzi versuchten auch gegen die Bayern offensiv mitzuwirken, wenn man den Ball hatte und so für genügend Anspielstationen zu sorgen. Auf der Doppelsechs hatte Losilla den aufbauenden, tieferen Part, während Hoogland mehr den Achterraum bespielte. Haberer, Eisfeld und Bulut bildeten die Dreierreihe hinter Terodde. Matchplan von Verbeek war es, wie erwartet, in einem engen 4-2-3-1 für Ballgewinne zu sorgen, um dann gute Umschaltaktionen zu bekommen. Dabei traute sich der VfL sehr viel zu und presste ungefähr zehn Meter in der Hälfte des FC Bayern konsequent und aggressiv.

Starker Beginn des VfL

Wie bereits erwähnt setzte man den Rekordmeister mutig unter Druck und war sogar recht erfolgreich. Dabei spielte der VfL bisweilen sogar eine Manndeckung vor dem eigenen Strafraum, mit der unsere Offensivspieler zunächst große Schwierigkeiten hatten. Eine erste Umschaltgelegenheit bot sich sehr früh im Spiel, konnte aber nicht zu Ende gespielt werden. Eine davon sollte dann für die erste große Gelegenheit der Bochumer sorgen. Der Ball segelte jedoch aus ca. sieben Metern Entfernung knapp am Tor vorbei. Ein langer Ball sorgte für die dritte Möglichkeit des VfL, aber Badstuber rettete in letzter Sekunde. Bayern hatte große Probleme die Lücken zu finden und machte Bochum so gleich mehrfach Geschenke in der Anfangs-Viertelstunde. Kimmich, Alonso und Alaba waren hier besonders anfällig für einfache Ballverluste, aber auch Thiago war nicht so sicher, wie man ihn kennt. Es war eine durchaus beachtliche Defensivleistung des Gastgebers. Egal wo der Ball war, man hatte immer das Gefühl, dass der VfL in Überzahl war. Spielverlagerungen gab es viel zu wenige, denn klar ist auch, wenn ein Team für Überzahl sorgt, muss irgendwo anders ein Raum erstehen und diesen sollten die Bayern nicht finden, weil Bochum nicht nur clever die Außen isolierte, sondern auch die Abstände nahezu perfekt wählte. Im weiteren Verlauf blieb es jedoch bei der guten Defensivleistung der Bochumer, denn vorne gelang ihnen nach der Anfangsphase nicht mehr viel. Bayern bekam die Kontrolle über das Spiel, ohne aber auch nur eine einzige gute Chance herauszuspielen. In der 33. Minute war es dann schließlich soweit. Die Bayern konnten in Person von Arjen Robben den ersten Schuss auf das Tor von Riemann bringen. Bezeichnenderweise war dies ein Fernschuss aus mehr als 20 Metern. Die erste schöne Kombination sorgte dann für die zu diesem Zeitpunkt doch etwas unverdiente Führung. Lewandowski erzielte diese nach einem schicken Doppelpass mit Thomas Müller. Dem voraus ist eine starke Balleroberung im Mittelfeld von Thiago gegangen. Wenig später sollten die Bayern dann das Tempo anziehen und sich noch die ein, oder andere Halbchance erspielen. Dabei sprang sogar noch ein berechtigter Elfmeter heraus inklusive roter Karte für Simunek, der für den verletzten Perthel eingewechselt wurde. Diese rote Karte kann man geben, weil Robben frei durch gewesen wäre, muss man meiner Meinung nach aber nicht. Als Fan dieses Sports hätte ich es bei einer gelben belassen. Dass Müller den Straftstoß nicht verwandelte, war bezeichnend für diese erste Halbzeit.

Die Problematik

Bayern hatte hinten zwar den Ball und nach einer schwierigen Anfangsphase auch die Kontrolle, aber wusste damit nichts anzufangen. Oft besetzten sie dabei die Räume einfach viel zu schlecht und deshalb hatten Badstuber, Kimmich und Alaba keine Anspielstationen. Thiago positionierte sich stets zu tief, oder zu hoch. Auch Müller und Lewandowski harmonierten nicht so gut, wie sonst. Manchmal überluden die Bayern sogar eine Seite und standen sich dabei gegenseitig auf den Füßen, doch der lange Ball aus der Abwehrkette kam dann in eine ganz andere Zone. Die fehlenden Spielverlagerungen erklären sich mit optimalen Abständen der Bochumer. Bayern hatte kaum Gelegenheiten sich aus den Unterzahlsituationen raumgewinnend zu befreien.

 

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Hier gut zu sehen: Das Überladen der Bayern auf der rechten Seite funktioniert nicht. Der Rechtsverteidiger hat in diesem Fall den Ball. Bayern zieht das Bochumer Konstrukt nicht gut genug auseinander und macht es dem Heimteam so sehr einfach. Wenn du die Seite überlädst, musst du deine Spieler auch in Szene bringen, doch das gelang mit Nichten, weil der VfL mit seiner Manndeckung die Räume viel zu eng machte. Eine einfache Lösung wäre gewesen, das Spiel breiter aufzuziehen. Jeweils ein Spieler aus den schwarzen Zonen hätte sich in den roten Raum bewegen können, um für bessere Anspielstationen zu sorgen. Costa konnte seinen großen Raum so faktisch nie nutzen, weil die Spielverlagerungen nie stattgefunden haben, oder nie stattfinden konnten. Gerade Alonso und Thiago teilten sich zu häufig eine tiefe, spielmachende Rolle, was dazu führte, dass im roten Bereich kein roter zu finden war. Speziell Xabi Alonsos Tag war sehr gebraucht – wenige prägende Aktionen und sehr viele unnötige Ballverluste. Außerdem war seine Positionierung stets unglücklich. Im Gegenpressing rückte er oft zu spät vor und konnte so nur wenige Ballgewinne verzeichnen. Leider bietet WhoScored keine Statistiken für den DFB Pokal an, aber seine neun Tacklings und die zwei Interceptions aus dem Leverkusen-Spiel konnte er gefühlt nicht annähernd bestätigen.

Was lief in Halbzeit 2 besser?

Vorweg: Ob all das, was in der zweiten Hälfte so toll funktioniert hat, auch so super gewesen wäre, wenn der VfL nicht mit einem weniger hätte spielen müssen, ist fraglich. Der Tag blieb ein unterdurchschnittlicher. Bayern besetzte die Räume auch deshalb besser, weil der angesprochene Thiago sich etwas höher positionierte und somit nicht ständig mit Xabi Alonso kollidierte. Außerdem passte auch das Zusammenspiel von Müller und Lewandowski wieder viel besser. Gerade der Pole hatte einen Sahnetag. Immer wieder ließ er sich tief fallen, zog einen Verteidiger mit und setzte andere durch clevere Doppelpässe in Szene. Die tiefe Positionierung Lewandowskis im oben rot eingezeichneten Raum war sehr wichtig für die Ballzirkulation, aber vor allem auch dafür, Chancen zu kreieren, denn die gab es in der zweiten Hälfte wieder viel häufiger. Auch die Spielverlagerung war wieder ein probates Mittel, um für schnellen Raumgewinn zu sorgen. Bochum lief weiter verhältnismäßig hoch an und ließ in Unterzahl daher viel mehr Lücken in der Formation, als noch im ersten Durchgang. Neben Lewandowski ist auch Arjen Robben herauszuheben, der ein sehr gutes Spiel machte. Schwach finde ich weiterhin die Hereingaben auf beiden Seiten. Von Costa kam gefühlt nicht eine Flanke auf einen unserer Stürmer, während Robben mit dem schwachen rechten Fuß sowieso nicht als Flankengott bekannt ist. Nachdem Thiago das 2-0 erzielt hat, war das Spiel dann quasi zu Ende und Bayern spielte die Geschichte runter, ließ dabei aber noch etliche Chancen liegen. Müller erwischte im Abschluss keinen guten Tag, zeigte aber eine sehr gute zweite Hälfte, was das Kombinationsspiel angeht. Der überragende Lewandowski konnte kurz vor Schluss dann noch auf 3-0 erhöhen. Die Vorlage gab Arjen Robben. Schlussendlich waren also die beiden besten Offensivspieler am letzten Tor direkt beteiligt.

Fazit

Der FC Bayern gewinnt am Ende verdient mit 3-0, weil man auch etwas Glück im Spielverlauf hatte. Der erste Schuss war direkt ein Tor und die zweite Chance eine rote Karte für die Bochumer. Sehr unglücklich für den Gastgeber, der meiner Meinung nach die bisher beste Defensivleistung eines Bayern-Gegners in dieser Saison geboten hat. Bochum war vor dem Spiel nicht umsonst noch ohne Gegentor. Beeindruckend waren die fast perfekten Abstände in der Formation von Verbeek und das clevere Pressingverhalten. Bayern kam dadurch mehrmals in Verlegenheit und spielte den Bochumern durch viele Ballverluste in die Karten. Noch Mitte der ersten Halbzeit kam der Rekordmeister jedoch langsam ins Rollen und bekam zunehmend Kontrolle über das Spiel. Auch ohne die rote Karte, waren die Bayern drauf und dran dieses Spiel auf ihre Seite zu ziehen. Am Ende zählt nur das Halbfinale und das haben wir verdient erreicht. Man of the Match ist ganz klar Robert Lewandowski und das nicht nur wegen seiner zwei Tore.

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