Bundesliga: Team der Saison

Bereits zur Hinrunde habe ich in meinem Blog eine Topelf erstellt und in einem größeren Rahmen auch andere Spieler, Spiele und Trainer herausgehoben. Diesmal möchte ich mich nur auf das Team der Saison fokussieren und erklären, wer für mich die besten Spieler in der Bundesliga waren.

Mein Team des Jahres der Bundesliga-Saison 2015/16.
Mein Team des Jahres der Bundesliga-Saison 2015/16.

Manuel Neuer

Der Nationaltorhüter hatte nicht sein bestes Jahr und erntete dafür reichlich Kritik. Dennoch war er meiner Meinung nach der beste Torwart der Liga. Sein Spiel mit dem Ball macht ihm so schnell keiner nach. 82,3% seiner Pässe kommen an und seine Spieleröffnung ist für die Bayern sehr wichtig. Auch in seiner Kernkompetenz, den gehaltenen Schüssen, war Neuer wiedermal der beste in der Bundesliga (78,95%). Mit aktuell 16 Gegentoren ist er zudem auf dem Weg zu einem neuen Bundesliga-Rekord. Sein Ersatz und damit der zweite Sieger im Tor, ist Loris Karius. Der Mainzer ist der Erfolgsgarant schlechthin beim FSV Mainz 05 und spielte eine starke Saison. Mit 73,75% gehaltenen Torschüssen steht er zum Beispiel vor Bürki (68,32%),  Leno (72,46%), Sommer (66,44%), Jarstein (70,83%) und Fährmann (70%). Lediglich Timo Horn (74,84%), Oliver Baumann (75%) und der oben genannte Manuel Neuer haben einen besseren Wert vorzuweisen (Ersatztorhüter sind nicht in der Wertung). Ich ziehe Karius den anderen jedoch vor, weil mir von ihm die spektakuläreren Szenen im Kopf geblieben sind.

Marcel Schmelzer

Schmelzer ist einer der unterbewertetsten Fußballer der Liga. Zugegeben: Er hat Defizite, aber welcher Linksverteidiger auf der Welt hat die nicht? Maximal David Alaba würde mir da einfallen, aber auch der hatte in dieser Saison kein perfektes Jahr. Außerdem spielte der Österreicher notgedrungen auf der Innenverteidiger-Position, auf der er seine Stärken nicht so ausspielen konnte wie sonst. An Schmelzer führt also kein Weg vorbei. Der Dortmunder gewann 56% seiner Zweikämpfe, hat sein Passspiel (83% Passquote) unter Tuchel enorm verbessert und harmonierte in der Offensive mit nahezu jedem Spieler auf dem linken Flügel. Vier Assists und 24 Torschussvorlagen stehen am Ende auf seinem Konto. Er lieferte das beste Komplettpaket auf seiner Position und hat sich damit einen der wenigen Plätze in meiner Elf verdient, die ich nicht mal im Ansatz diskutieren würde.

Mats Hummels

Auch über den zweiten Dortmunder in der Viererkette lässt sich nicht viel diskutieren. Hummels hatte nach anfänglichen, kleinen Schwierigkeiten ein richtig starkes Jahr. Speziell die Rückrunde war überragend. Ohne eine genaue Statistik zu haben, würde ich die These aufstellen, dass kein Innenverteidiger in Europa mehr Pässe in des Gegners Strafraum schlägt. Hummels eint Zweikampfstärke (71%, Bestwert), Passsicherheit (86%) und Torgefährlichkeit (10 Torschüsse, 2 Tore, 2 Torvorlagen). Der Nationalspieler ist der wichtigste Aufbauspieler der Borussia und war meiner Meinung nach der Innenverteidiger der Saison, wenngleich er in dieser Kategorie natürlich von der Verletzung Boatengs profitiert.

Jonathan Tah

Der erst 20-jährige spielte eine sehr starke Saison. Hätte sich Boateng nicht verletzt, würde er vermutlich nicht in der Elf stehen, aber so war er meine nächste Option. Tah war vor allem ein Mann für die wichtigen Zweikämpfe. Seine Quote von 63% ist sehr solide und auch sein Ausbaufähig ist für sein Alter ordentlich. 79% Passquote und 15 eigene Abschlüsse, die ihm kein Tor vergönnten, komplettieren seine gute Saison. Eine logische Alternative wäre Joshua Kimmich, der es aufgrund seiner kürzeren Einsatzzeit jedoch nur auf die Bank geschafft hat. In der Bundesliga zeigte Bayerns Allrounder unglaublich stabile Leistungen. Er steckte dabei Topstürmer wie Chicharito sowie Aubameyang in die Tasche und stabilisierte zusammen mit David Alaba die angeschlagene Abwehr des FC Bayern. Kimmichs Fähigkeiten im Aufbauspiel sind zudem direkt nach Hummels und Boateng einzuordnen. 92% Passquote, zwei Torvorlagen und seine unglaubliche Präsenz (107,4 Ballkontakte pro Spiel) unterstreichen das. Lediglich die Zweikampfquote von 54% ist als Innenverteidiger noch ausbaufähig.

Philipp Lahm

Den „alten Mann“ – er möge es mir verzeihen – hatten viele, auch ich, bereits abgeschrieben. In der Hinrunde offenbarte Lahm erstmals Schwächen, arbeitete sich dann aber in die Saison und schaffte es, sich sogar nochmal zu verbessern. Aktuell erleben wir das Maximum seiner Leistungsfähigkeit. Fast in jedem Spiel gewinnt der Bayern-Kapitän mehr als 70% seiner Zweikämpfe. Er scheint sich in seiner Rolle als Rechtsverteidiger-Mittelfeld-Hybrid wiedermal neu erfunden zu haben. Mit Ball agiert der 32-jährige im zentralen Mittelfeld und reißt das Spiel an sich. Ohne das Spielgerät macht er das, was er seit Jahren auf konstant hohem Niveau erledigt: Zweikämpfe als Rechtsverteidiger gewinnen. Seine Balance in dieser Rolle ist beeindruckend. 57% gewonnene Zweikämpfe, 91% Passquote, 47 Torschussvorlagen, 1 Assist und 1 Tor aus 8 Versuchen sprechen eine deutliche Sprache. 97,18 Ballkontakte hat der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän pro Spiel in der Bundesliga. Er ist weiterhin ein Schlüsselspieler für den Rekordmeister und somit in der Topelf der Bundesliga. Mitchell Weiser (72% Passquote, 51% Zweikampfquote, 4 Assists, 2 Tore) ist sein direkter Ersatz. Er war für die Hertha einer der wichtigsten Spieler auf dem Weg nach Europa und zeigte eine starke Balance aus Offensive und Defensive.

Arturo Vidal

Vidal war in der Rückrunde vielleicht der Spieler beim FC Bayern. Zwar hatte er in der Hinrunde leichte Probleme, aber dann startete er voll durch. In wichtigen Spielen wie in Leverkusen oder Dortmund, aber auch sonst zeigte er immer seine wichtigen Qualitäten. Seine Zweikampfstärke, die Torgefährlichkeit und auch seine wichtige Positionierung im Gegenpressing bei Ballverlusten machten ihn unersetzlich. Letztendlich kam er bis zum letzten Spieltag auf 51% Zweikampfquote, 107,24 Ballkontakte pro Spiel und 9 Torbeteiligungen (4 Tore, 5 Vorlagen). 2,3 Torschussvorlagen hat der Chilene im Schnitt pro Spiel geliefert. Auch 1,7 Interceptions, 3,5 Tacklings und 0,8 klärende Aktionen pro 90 Minuten suchen ihres Gleichen in der Bundesliga. Vidal hat gezeigt, dass er einer der besten Box-to-Box-Midfielder der Welt ist und sich in einem System bewiesen, dass ihm vielleicht nicht zu 100% liegt. Seine Alternative wäre Julian Weigl gewesen, der bei Borussia Dortmund eine tolle Saison hatte. Eine Passquote von 92%, 56% Zweikampfquote und 101,95 Ballkontakte pro Spiel zeigen seine Dominanz. Er war ein absoluter Ruhepol in Dortmunds Spiel. Trotz seines Alters schien er in Pressingsituationen immer die Ruhe zu bewahren und traf kaum falsche Entscheidungen. Sein Passspiel war sehr vertikal und er sammelte dadurch viele Pre-Assists. Überspitzt könnte man sagen, dass Weigl in dieser Saison Dortmunds Busquets war. Ich bin sehr auf seine Entwicklung gespannt.

Henrikh Mkhitaryan

Für mich ist der Armenier der Spieler der Saison. Konstanz, Tempo, Torgefährlichkeit, das Herumreißen von schwierigen Spielverläufen, kluge Laufwege, starkes Gegenpressing, kaum schlechte Entscheidungen (…). Man kann ewig so weiter machen und wird an seiner Saison nur wenig schlechtes finden. Seine Passquote von 76% wäre vielleicht ein Ansatz für etwas Kritik, aber dafür ist das Risiko in seinem Spiel auch enorm hoch und wichtig für den BVB. Letztendlich konnte er bis jetzt 11 Tore und 15 Torvorlagen beisteuern. 2,8 Abschlüsse, 2,9 Torvorlagen und 2,8 erfolgreiche Dribblings sind es zudem, die Mkhitaryan pro 90 Minuten beisteuern konnte. Eine herausragende Saison von ihm.

Thomas Müller

Müller spielt immer.

Nein, da ich genau weiß, dass einige die Nominierung kritisieren werden, werde ich es etwas rechtfertigen. 20 Tore, 5 Torvorlagen sowie 3,6 Abschlüsse und 2,3 Torschussvorlagen pro 90 Minuten müssten da schon reichen. Dennoch – und das ist bei Müller viel wichtiger – sind es vor allem die wichtigen Laufwege die ihn so einzigartig machen. Müller macht die unscheinbaren Dinge, die in Statistiken nicht zu messen sind. Er hatte wiedermal eine konstant starke Bundesliga-Saison, in der er seinen Torrekord brechen konnte und gehört für mich in jede Topelf. Eine Alternative wäre Ilkay Gündogan gewesen. Gündogan war Schlüsselspieler beim BVB. 2,3 Abschlüsse, 1,1 Torschussvorlagen, 91,3 Pässe pro Spiel bei einer Erfolgsquote von 87,8% und 2,5 erfolgreiche Dribblings pro Begegnung sind starke Werte. Der Nationalspieler hat dem Dortmunder Positionsspiel eine Struktur gegeben, Verbindungen hergestellt und immer wieder mit klugen Entscheidungen überzeugt.

Raffael

Raffael zählt wieder zu den Topscorern der Liga. 13 Tore und 10 Torvorlagen sind erneut ein herausragender Wert. Bereits in den letzten Jahren hatte er mit ähnlichen Werten geglänzt. Das Offensivspiel der Borussia steht und fällt mit dem Brasilianer. 2,3 Abschlüsse, 1,9 Torschussvorlagen und 2,6 Dribblings pro 90 Minuten belegen das. Er ist schnell, dynamisch und lässt sich immer wieder klug ins Mittelfeld fallen, um aus der Tiefe für Gefahr zu sorgen. Raffael zählt mit 31 Jahren zu den besten Bundesliga-Spielern. Eine Option für das Mittelfeld wäre auch sein Kollege Mahmoud Dahoud gewesen. Fünf Tore und acht Vorlagen steuerte der erst 20-jährige bei. Er war wichtig für die Struktur des Gladbacher Spiels, ließ sich fast nie unter Druck setzen und glänzte mit klugen Bewegungsabläufen zwischen den Linien. Manchmal wirkte der junge Gladbacher noch zu verspielt und leichtsinnig, aber sonst gibt es nur wenig Gründe, warum er nicht in einer Top-Auswahl sein sollte.

Pierre-Emerick Aubameyang

Lange Zeit war der Gabuner der Stürmer in der Bundesliga, ehe er von Robert Lewandowskis Konstanz eingeholt wurde. 25 Tore und fünf Torvorlagen stehen am Ende auf seinem Konto und sind Grund genug für seine Nominierung. Schnelligkeit, kluge Positionierung und Abschlussstärke sind die Kernkompetenzen des Stürmers und die bringt er hervorragend in das Spiel der Dortmunder ein. Seine Alternative ist Javier Hernández Balcázar, oder kurz Chicharito. Der Leverkusener erzielte in der Bundesliga 17 Tore und bereitete zwei weitere vor. Auch er überzeugte vor allem durch Schnelligkeit, Dynamik und Abschlussstärke. Der Mexikaner war nach den großen zwei der vielleicht beste Stürmer der Liga. Auch Claudio Pizarro hätte es verdient gehabt, weil er mit 14 Toren und drei Assists bei deutlich weniger Spielzeit und einem kleineren Klub durchaus nochmal zeigte, dass seine Zeit nicht vorbei ist. Ich habe mich dennoch für Chicharito entschieden.

Robert Lewandowski

Der Bayern-Stürmer komplettiert meine Topelf der Saison. 29 Tore, zwei Vorlagen, 5,2 Schüsse pro Spiel und eine Quote von einem Tor pro 90 Minuten sind absolute Spitzenwerte. Der Pole ist einer der wenigen Spieler, die im System der Bayern nicht zu ersetzen sind. Höhepunkt seiner Bundesliga-Saison waren mit Sicherheit die fünf Tore gegen den VfL Wolfsburg in nur neun Minuten.

Thomas Tuchel

Guardiola als Trainer des Jahres zu nennen wäre okay, weil er wiedermal Meister geworden ist und seine Mannschaft erneut auch in schwierigen Situationen zum Sieg geführt hat. Der Katalane schaffte es sogar eine stabile Abwehr aufzustellen, ohne dabei auf nur einen Innenverteidiger zurückgreifen zu können. Dennoch entscheide ich mich für Tuchel, weil es mich beeindruckt hat, wie schnell er eine Mannschaft, die auf Konter ausgelegt war, in eine Ballbesitzmannschaft mit guten Umschaltmomenten verwandelt hat. Viele vergessen dass es die aller erste Saison Tuchels ist und dafür ist die Entwicklung sehr bemerkenswert. Er hat den Rest der Liga in Bayernmanier abgeschüttelt und ein riesiges Loch zwischen sich und den anderen geöffnet. Dabei schaffte er es sogar die Spannung in der Liga bis zum 33. Spieltag aufrecht zu erhalten. Tuchel muss sich sicherlich vorwerfen lassen, dass er gegen Schalke sehr stark rotierte, damit die Meisterschaft endgültig verlor und schließlich auch gegen Liverpool ausgeschieden ist. Natürlich in beiden Spielen sehr unglücklich, aber ganz unverantwortlich war er dafür nicht. Alles in allem war es jedoch eine großartige Debüt-Saison für den neuen BVB-Coach. Egal welche Spieler gehen und kommen, der Star dieser Mannschaft ist mit Sicherheit das System und mit dem Tuchel-BVB ist auch in naher Zukunft weiter zu rechnen. Mein Trainer des Jahres!

Advertisements

2 Gedanken zu “Bundesliga: Team der Saison

  1. Ich schreibs mal hier rein, twitter is mir zu kurz und ich war afk.

    4(+1) Mittelstürmer sind zu viel. da muss man einfach hart bleiben und die schlechteren 2 kriegen eben die Axt, auch wenn der 4.beste Stürmer vielleicht besser overall war als der beste Linksaußen.
    Nur weil pep es hinbekommt 2 Stürmer und 3 1on1-Dribbler aufzustellen heißt das nicht das es ne gute Idee für ein TotY ist, und du hast nichtmal wirklich Dribbler aufgestellt.
    Z.B. mit Raffael könnte ich auf der 10 Leben, das passt in sein Bewegungsprofil und zu seinen Fähigkeiten.
    Bei Müller sehe ich leere räume in der Mitte und dafür überladungen in der letzten Linie. Das ist aber weniger wertvoll wenn eh schon 2 MS spielen.

    anderer vorschlag: quasi 442 mit Mikhi links, Müller rechts und Weigl/Vidal als doppel6. Vidal dann rechtsseitig und vertikal, Lahm füllt die Räume auf. Das hat dann was von einem verschobenen 433.
    Das wäre mit 10/11 Spielern und fast eine gangbare Mannschaft. Alternativ fällt euch auch noch ein Linker Winger/Außenstürmer ein und bleibt bei diesem Vorschlag overall.

    Gefällt mir

    1. Kann man so sehen. Mir ging es vor allem darum die einzelnen Spieler hervorzuheben statt eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen. Ich hab also nicht daran gedacht wie diese Spieler zusammen funktionieren würden, sondern wer individuell am stärksten war. Auch da kann man sich sicher streiten, aber meine Entscheidung war eben die im Artikel dargestellte.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s