Sunshine Blogger Award: Die beste Zeit des Jahres

Es ist Donnerstag, der 30. November 2017. Mein Tag war wenig anstrengend. Von 12 bis 14 Uhr habe ich mich von meinem Dozenten über europäische Monarchien im 17. Jahrhundert aufklären lassen. Hinter mir saßen Studierende, die ihre Klappe nicht halten konnten. Respektlos. Wenn sie sich nicht für das Thema interessieren, dann sollen sie gehen. Es gibt keine Anwesenheitspflicht an unserer Universität. Leider hatte ich nicht den Mut, ihnen das ins Gesicht zu sagen. Aber das ist eine Geschichte für sich.

Nach der Veranstaltung ging ich in mein Zimmer im Studentenwohnheim – quasi direkt am Neuen Palais und nur vier Minuten vom Campus entfernt. Die Vorhänge waren zu. Einige Schritte genügten und ich stand direkt vor ihnen. Ich riss den linken Vorhang auf und blickte aus dem dritten Stock heraus auf den Wald, der sich direkt am berühmten Park Sanssouci befindet. Ein guter Augenblick, um kurz durchzuatmen und darüber nachzudenken, wie viel Glück ich eigentlich seit einigen Monaten habe.

Mein Wohnheim-Ausblick in der schönsten Jahreszeit.

Nicht selten mache ich mir Gedanken darüber, dass mein Leben sich speziell in den letzten zwei Jahren sehr positiv entwickelt hat. Es hätte auch anders kommen können. Fast ein Jahr wohne ich nun in Potsdam und seitdem wurde alles immer besser. Lediglich der Schnee fehlt mir noch, der wenige Tage nach meinem Einzug den Ausblick deutlich aufwertete.

Für mich ist der Dezember ohnehin die schönste Zeit des Jahres. Weihnachtsmärkte, teilweise grausame Musik, leider viel zu wenig Schnee, überall Glitzer und Deko… ich stehe einfach auf den ganzen Quatsch und obwohl ich mir bewusst bin, dass das Fest der Liebe eine Marketingmaschine ist, so hat sie mich voll gepackt.

Als ich wieder zwei Schritte vom Fenster zurücktrat und zu meinem Handy griff, öffnete ich Twitter. Der weiße Vogel im blauen Viereck begleitet mich nicht zufällig, seit ich mich fast vollkommen glücklich fühle. Man könnte einen Zusammenhang herstellen, wenn man bedenkt, dass es quasi mit der erneuten Anmeldung bergauf ging.

Noch gerade dachte ich daran, dass mir die Sonne ganz schön aus dem Arsch scheint und ich dafür sehr dankbar bin. In den Benachrichtigungen sehe ich dann, dass Joey mich zum „Sunshine Blogger Award“ nominiert hat. „Da fehlen die Bindestriche“, dachte ich. „Man, bin ich sympathisch“, dachte ich direkt im Anschluss.

Joey ist ein für mich sehr inspirierender Typ, den ich sehr schätze. Umso dankbarer bin ich für seinen fast täglichen Input. Natürlich folge ich seiner Nominierung und während ich seine Fragen so beantwortet habe, kam mir in den Sinn, dass jetzt gerade nicht nur die beste Zeit des Jahres, sondern auch die beste Zeit meines bisherigen Lebens ist.

Joeys Fragen und meine Antworten:

Wieso seid ihr bei Twitter?

Meinen ersten Anlauf startete ich im Jahr 2014 bei der WM. Mein Versuch, irgendwie Aufmerksamkeit zu erlangen, scheiterte jedoch und so war es für mich witzlos. Bei 15 Followern hatte ich – ungeduldig wie ich bin – keinerlei Motivation mehr.

Ein Jahr später kam mir aber der Gedanke, einen Blog zu eröffnen. Dort schrieb ich zunächst emotionale Storys rund um den FC Bayern und wie ich dort Fan wurde. Allerdings war ich nicht so sehr von mir überzeugt und wollte deshalb nicht meine Facebook-„Freunde“ damit nerven. Es war mir vor den meisten dort eher peinlich. Ich habe dort auch nur wenige Leute in der Liste, die Bayern-Fans sind.

Also wieder Twitter. Diesmal wuchs ich etwas schneller und die Resonanz auf meine Geschichten war positiv. Auf Einfluss von Spielverlagerung und Miasanrot habe ich dann wenig später auch eine Richtung gefunden, in die ich mit meinem Blog gehen wollte.

Gerade Miasanrot, die schon immer einen guten Mittelweg aus taktischem Verständnis und „normalen“ Artikeln fanden, dienten mir als erstes kleines Vorbild. Vielleicht also kein Zufall, dass ausgerechnet dieser Blog dann auf mich aufmerksam wurde. 😉

P.S.: Nichts gegen Spielverlagerung. Die waren und sind auch sehr inspirierend für mich, wenngleich mir das alles von Beginn an etwas zu nerdig war.

Wie sieht euer perfekter Tag aus?

Dafür gibt es keine wirkliche Blaupause. Perfekt ist es für mich im Kreise meiner Liebsten. Keine Verpflichtungen, einfach fallen lassen. Auf Dauer könnte ich das aber auch nicht. Ich brauche nicht viel „Action“, mein Privatleben ist da eher langweilig.

Welche Person von Twitter würdet ihr gerne mal persönlich treffen und warum?

Antonia. Es war schon mehrmals geplant, funktionierte aber leider nie. Zuletzt hatten wir etwas weniger Kontakt, aber sie ist für mich nicht nur ein wichtiger Twittermensch, sondern eine sehr gute Freundin.

Welche Bedeutung hat das Schreiben für euch?

Schreiben ist für mich ein Ventil. In einem Text kann ich meine Gedanken häufig besser strukturieren als mit gesprochenem Wort. Es ist aber auch eine Herausforderung. Ich selbst bin mein größter Kritiker und es kommt selten vor, dass ich auf etwas von mir wirklich stolz bin.

Wenn ich mich aber loben müsste, dann dafür, dass mein Ausdruck, meine Orthografie und meine Sprache im allgemeinen deutlich besser geworden sind, seit ich schreibe. Das hat auf der einen Seite damit zu tun, dass ich seitdem mehr lese und schreibe, aber auch damit, dass die Leute um mich herum (Danke, Miasanrot!) ständig Feedback geben.

Das Schreiben bedeutet mir sehr viel und ist in den letzten Jahren für mich zum wichtigsten Hobby geworden. Es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht eine der vielen Ideen in meinem Kopf verfolge und nichts ist schöner, als der Prozess zur Verwirklichung.

Ich glaube nicht, dass ich herausragend darin bin. Aber dass ich vor allem wegen des Schreibens auf Twitter rund 2000 fremde Menschen von mir – mehr oder weniger – überzeugen konnte, ist schon etwas, was mich ein bisschen stolz macht. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass das Schreiben für mich einer der Wege zum Glück war. Das hätte ich vor 2 Jahren so nicht erwartet.

Wie ist eure Einstellung zur Religion?

Ich glaube nicht an irgendeinen Gott und ich bin der festen Meinung, dass die verschiedenen Religionen mehr Unheil anrichten, als sie positives bieten. Aber ich lasse die Menschen glauben und toleriere sie.

Etwas neidisch bin ich auf die Menschen, die sich mit Hilfe ihres Glaubens von der Angst vor dem Tod befreien können. Ich habe davor fürchterliche Angst und gerade durch private Umstände habe ich mehrfach in diesem Jahr darüber nachgedacht.

Mein Wunsch für mich wäre, dass ich mich davon wieder lösen kann. Mit 24 Jahren möchte ich nicht abends im Bett liegen müssen und mir Gedanken darüber machen, dass auch ich irgendwann unter der Erde liege.

Was hat euch im Leben am meisten geprägt?

Vermutlich meine Oma. Sie hat fünf Söhne großgezogen und war eine perfekte Mutter. Nur ihr ist es zu verdanken, dass meine Familie auf väterlicher Seite so einen engen Zusammenhalt hat. Mir hat das gezeigt, wie wichtig familiärer Rückhalt ist.

Durch Vorfälle auf mütterlicher Seite hat sich mir auch das Gegenteil offenbart und umso dankbarer bin ich meiner Oma. Aber sie hat auch viel durchgemacht im Leben, war mehrmals schwer krank. Sie steht immer wieder auf und verkörpert wie kein anderer Mensch, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben und aus jeder Situation das Beste zu machen.

Welchen Stellenwert nimmt Musik für euch ein?

Früher habe ich sie einfach konsumiert. Es musste gut klingen. Heute denke ich auch über den Inhalt nach. Musik ist ein ständiger Begleiter für mich und nimmt somit eine zentrale Rolle ein.

Was ist euer größtes Ziel im Leben?

Eine glückliche Familie zu gründen. Natürlich will ich erfolgreich sein. Natürlich will ich Geld verdienen und mir was leisten können. Ich strebe auch nach Anerkennung, wie jeder Mensch. Aber eine kleine Familie zu „gründen“ und innerhalb dieser glücklich zu werden… danach strebe ich am meisten. Die Frau dafür habe ich hoffentlich in diesem Jahr gefunden. Zumindest glaube ich das.

Habt ihr eine Bucket List? Falls ja: Nennt bitte drei Punkte und beschreibt sie.

Ehrlich gesagt, musste ich das gerade googeln. Wunschliste? Ich hab da eine App auf dem Handy, die „Wunderlist“ heißt – warum auch immer. Ich will im neuen Jahr mit meiner Freundin nach Venedig und ich möchte bald mit ihr eine Aufführung von Goethes Faust besuchen – genaue Pläne gibt es da aber noch nicht. Außerdem möchte ich endlich die Zeit finden, um Falladas „Kleiner Mann – Was nun?“ zu lesen. Darüber hinaus wäre es mein Wunsch, dass ich einfach so glücklich bleibe wie ich es aktuell bin. Dazu zählt auch, dass meine Liebsten gesund bleiben. Dafür wäre ich schon dankbar genug.

Was bringt euch am meisten zur Verzweiflung und was bereitet euch die größte Freude?

Ich verzweifle am meisten, wenn etwas meine Laune negativ beeinflusst, was ich nicht beeinflussen kann. Dazu zählt unter anderem der FC Bayern. Und ich hasse es, wenn ich etwas nicht schaffe. Egal, um was es da geht. Die größte Freude bereiten mir meine Freunde, meine Familie, meine Freundin, ihre Familie, aber auch der Hund meiner Freundin, den ich so sehr liebe wie kein anderes Tier zuvor.

Wenn ihr morgen aufwachen würdet und alles, was euch belastet oder belasten könnte, wäre wie von Zauberhand verschwunden: Woran würdet ihr es merken?

Ich fühle mich derzeit nicht wirklich belastet. Das ist ein großes Glück. Ein paar Kleinigkeiten vielleicht, die sich damit bemerkbar machen würden, dass ich noch freier und noch erleichterter wäre. Aber im Moment befinde ich mich in der besten Phase meines bisherigen Lebens und das genieße ich in jeder Sekunde.

Angenommen, ihr dürftet einer Person eurer Wahl jede Frage stellen und sie müsste ehrlich antworten: Welche Person würdet ihr wählen?

Bastian Schweinsteiger

Was wäre die Frage?

Es gäbe keine spezielle Frage, sondern sehr viele. Ich würde ihm aber auch viel erzählen. Vielleicht würde ihn das gar nicht interessieren, aber ich würde mich bedanken dafür, dass er meine Bindung zum Fußball so entscheidend geprägt hat. Die Fragen würden taktischer, emotionaler und ganz allgemeiner Natur sein.

Welche Frage sollte man euch stellen, um eine möglichst spannende Antwort zu erhalten?

Was ist schon spannend? Der Begriff wird von jedem anders definiert. Der Eine sollte mir eine Frage zum Fußball stellen, um eine für ihn spannende Antwort zu erhalten. Ein Anderer würde sich vermutlich mehr für die Bücher interessieren, die ich gerade lese (da ist sehr viel klassisches dabei).

Ich persönlich finde meine eigene Entwicklung ein Stück weit spannend. Als ich so 16 war, hätte mein Leben in jede Richtung kippen können. Wenn ich falsche Entscheidungen getroffen hätte, wäre ich vermutlich tief abgerutscht.

Aufgrund vieler Faktoren ist das nicht passiert. Besonders hart war für mich die Phase nach dem Abitur. Es hat 4 Jahre gedauert, bis ich endlich etwas gefunden habe, was mir Spaß macht und ich endlich glücklich wurde. Davor war ich ein emotionales Wrack. Sehr gefährlich.

Vielleicht wäre die Frage nach dieser Lebensgeschichte für den ein oder anderen interessant, aber vielleicht auch nicht. Ich rede schon gerne über mich, da bin ich ganz ehrlich, aber ich zwinge keinen dazu, sich den Kram anzuhören und fange schon gar nicht einfach damit an.

Welche Superkraft würdet ihr haben wollen?

Fliegen käme nicht in Frage, weil ich leichte Höhenangst habe. Schnell rennen kann manchmal hilfreich sein, ist aber auch nicht wirklich reizvoll. Gedanken lesen wäre mir auf Dauer zu nervig. Ich finde zudem, dass Geheimnisse Teil des Lebens sind und es gut ist, dass jeder Mensch in seinen Gedanken mal alleine sein kann.

Tatsächlich wäre ich manchmal gern unsichtbar. Dann könnte ich mich immer zurückziehen, wenn ich es gerade brauche und mich überall unbemerkt hinbewegen.

Ich möchte niemanden nominieren, weil ich nicht verlangen kann, dass die Personen Zeit haben. Aber ich werde 15 Fragen formulieren und jeder Blogger, der das hier gelesen hat, darf dann für sich selbst entscheiden, ob er diese Fragen beantworten möchte.

1. Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
2. Welche Beweggründe hattest Du, als Du deinen ersten Blog eröffnet hast und hattest Du von Beginn an eine klare Struktur und Idee?
3. Wie stehst Du zur Weihnachtszeit und gibt es spezielle Routinen während dieser?
4. Wenn Du mir folgst, bist Du sehr wahrscheinlich Fußball-Fan. Nehmen wir an, der Fußball würde nicht existieren: Welche 5 Sportarten kämen dann für dich in Frage und warum?
5. Liest Du gerne? Wenn ja, welche 3 Bücher würdest du derzeit empfehlen? Wenn nein, wieso nicht?
6. Glaubst Du, dass das bloggen dein Leben positiv beeinflusst hat? Wenn ja, warum?
7. Was fehlt dir, um glücklich/noch glücklicher zu sein?
8. Katzen oder Hunde? Wieso?
9. Was war dein letzter großer Fehleinkauf und wieso?
10. Wofür hast Du zuletzt mehr als 100€ ausgegeben und hat sich das Geld gelohnt?
11. Bald ist wieder Neujahr. Was wünschst Du dir für 2018?
12. Erinnere dich an deinen Lieblingslehrer aus der Schulzeit. Welche 5 Faktoren haben ihn für dich zum guten Lehrer gemacht?
13. Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben und warum?
14. Du darfst überall hinreisen: Welches Ziel wählst Du und wieso?
15. Warum ist Twitter für dich etwas Besonderes? Nenne mindestens 3 Gründe.

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