Rezension: David Alaba – Das österreichische Fußballwunder

Im Jahr 2017 hat Felix Haselsteiner sein Debüt als Buchautor gegeben. Seine bisherigen Erfahrungen sammelte er in verschiedenen Redaktionen Deutschlands und bei uns im Blog auf Miasanrot.de.

Natürlich bin ich nicht ganz unvoreingenommen, weshalb andere Rezensionen vielleicht etwas objektiver an die Sache herangehen als ich. Ich weiß, welche Arbeit in diesem Buch steckt und ich weiß, was ihm dieses Werk bedeutet. Dennoch möchte ich versuchen, so distanziert wie möglich zu rezensieren.

„Das Buch besticht durch Vielseitigkeit.“

In 21 Kapiteln zeichnet Felix Haselsteiner die Karriere David Alabas vom Jugendbereich über die Nationalmannschaft bishin zum großen FC Bayern nach. Immer wieder unterbricht er diese Reise mit kleinen Exkursen, in denen er Einblicke in Alabas Welt neben dem Platz gibt. So erklärt er in Kapitel 9, wie wichtig der Glaube an Jesus für ihn ist.

Andere Exkurse beschäftigen sich mit Alabas Familie (Kapitel 3) oder mit der sehr speziellen Sicht der Österreicher auf Fußball. In Kapitel 6 spricht der Autor mit den „Achterl“. Eine – mir vorher nicht bekannte – Band, die ein Lied über David Alaba geschrieben hat. Doch was genau qualifiziert die eigentlich, in einem Buch über Alaba aufzutauchen? Klingt zunächst etwas nach Sky-Vorberichten. Hauptsache jemand, der irgendwas mit Alaba zu tun hat.

Tatsächlich ist aber ein sehr unterhaltsames Interview entstanden, das einem Einblicke in die Fußballwelt Österreichs gibt und zu erklären versucht, weshalb Alaba in diesem Land so extrem kritisch wahrgenommen wird.

Sicherlich erfährt man dort nicht, welche Qualitäten Alaba auf dem Platz ausmachen oder in welcher taktischen Rolle er sich bisher am besten gemacht hat, aber für die inhaltliche Tiefe hat sich Felix Haselsteiner andere Kapitel aufgespart.

So skizziert er in den Kapiteln 7, 8 und 10 zunächst die Laufbahn des Fußballers Alaba von van Gaal über Hoffenheim zu Heynckes. Ein großes Thema ist hier natürlich die Findungsphase Alabas. Auf welcher Position ist er denn nun am besten aufgehoben? Sehr detailliert geht der Autor hier auf einzelne Schlüsselmomente ein.

Auch in Kapitel 11, wo er sich dem Fußballer Alaba widmet, geht es wieder um das, was an Alaba zumindest meiner Meinung nach wirklich spannend ist: seine Qualität auf dem Platz. Sehr ausführlich schildert Felix Haselsteiner hier, wie Alaba 2012 im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid die vielleicht schlimmsten 15 Minuten seiner bisherigen Laufbahn erlebte und dann doch noch entscheidend mithalf, das Finale Dahoam zu erreichen. Dort wird deutlich, wie cool dieser Typ schon in jungen Jahren war.

Es folgen Kapitel über Alabas Weg zum Triple und seine taktische Variabilität unter Guardiola. Hier hat mir das Lesen am meisten Spaß gemacht, weil es nicht nur an Alabas sportlich stärkste Phase erinnert, sondern auch an die Genialität, die in ihm steckt. Positionswechsel, verschiedene taktische Rollen und die Ursachen für solche Entscheidungen sowie deren Auswirkungen werden wunderbar erläutert und beschrieben.

Für mich nicht nur der Höhepunkt der Alaba-Karriere, sondern auch der des Buches. Alabas Social-Media-Aktivitäten, seine Freundschaft zu Ribéry und auch der Exkurs in sein Privatleben sind sicherlich schön geschrieben, weckten mein Interesse aber nicht so sehr wie die fußballerischen Seiten. Das ist jedoch subjektiv und hat so natürlich seine Daseinsberechtigung.

Auch der sportliche Knick in Alabas Karriere wird thematisiert. Es wird nach Ursachen für die schwachen Leistungen gesucht. Die meisten davon werden jedoch bei externen Faktoren gesehen. Einer der wenigen Punkte, bei denen ich mit dem Autoren wohl nicht übereinstimme. Zu sehr wird Alaba hier – speziell im Ancelotti-Kapitel – als Opfer seines Trainers dargestellt und zu wenig in die Verantwortung genommen.

Alles in allem bleibt dennoch ein Buch, das mehr als nur lesenswert ist. Das 11Freunde-Magazin schrieb in seiner Rezension, dass diese unautorisierte Biografie keinerlei Mehrwert bieten würde. Dem möchte ich widersprechen. Natürlich findet man vieles von dem, was Felix Haselsteiner in seinem Buch schreibt, auch im Internet. Es ist halt keine autorisierte Biografie und deshalb mit einer solchen auch nicht zu vergleichen. Wenn ich komplett Neues erwarte, dann kaufe ich keine unautorisierte Biografie.

Trotzdem würde ich behaupten, dass man den Inhalt des Buches nur dann schon vorher kennt, wenn man sich ständig und sehr intensiv mit David Alaba auseinandersetzt. Gerade die taktischen Kapitel und die Exkurse über Außendarstellung und die Sichtweise der Österreicher sorgen dafür, dass es viel zu erfahren gibt und auch neue Perspektiven geöffnet werden. Dinge, die der durchschnittliche Leser vorher nicht wusste oder denen er sich schlicht nicht bewusst war, gibt es immer noch. So habe ich vieles über Alabas Karriere in der Nationalmannschaft erfahren, was ich nicht wusste.

Felix Haselsteiner hat – wenn man die Maßstäbe richtig setzt – tolle Arbeit abgeliefert. Das Buch besticht durch Vielseitigkeit. In jedem Kapitel spürt man die Arbeit und die Liebe zum Detail, die dahintersteckt. Für sein erstes eigenständiges Buch eine beachtliche Leistung. Für jede Art von Fan ist darüber hinaus etwas dabei. Sollte man sich dieses Buch als Fan des FC Bayern und von David Alaba kaufen? Unbedingt. Denn in vielen Passagen wird man von Erinnerungen und Emotionen ergriffen.

Sollte man sich das Buch als Alaba-Experte kaufen? Vielleicht eher nicht. Das ist dann halt der große Nachteil einer unautorisierten Biografie. Wer hier etwas komplett Neues erwartet, dem winkt eine kleine Enttäuschung. Allerdings eine, für die der Autor am wenigsten etwas kann.

Ich würde das Buch als eine sehr schöne Zusammenfassung von Alabas bisheriger Laufbahn mit vielen verschiedenen Eindrücken und Anekdoten bezeichnen. Eine schöne Lektüre für alle, die Alabas bisherige Reise nochmal erleben möchten.

Link zum Buch

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